![]() |
| © Bildsprache by @HerrWortranken |
ASPECTUS INTUS
(Blick nach innen)
Zart legt sich Abendgold auf müde Hand
Die Peitsche summt und webt ihr erstes leises Lied
Ein Silberton der sacht ins tiefe Schweigen zieht
Verliert den Takt im weichen Abendland
Beim Streicheln öffnet sich
Ein heimlich herrlich Tor
Es flutet durch die Brust
Ein warmer flüchtg Hauch
Die Haut empfängt ein Funkeln
Mit bebend zuckend' Bauch
All deine Finger lauschen
Mit tausendfachem Ohr
Meist nimmt einschneidend' Wendung
Wie fester harter Biss
Ein Schwingen trifft dich blind
Zerreißt den kurzen Frieden
Der Körper glaubt dem Schlag
Die Stunde wird zum Riss
Weil plötzlich Nähe fort
Sie weicht dem kalten Nichts
Bei Tränen auf den Wangen
Stellt sich nur eine Frage
Wer hält die Hand die trifft?
Wer webt dies rauhe Spiel?
Du suchst im fremden Blick
Und oft erkennt dich dein Profil
Im Spiegel kehrt das Bild zurück
Erkennt sich ohne Klage
Zuerst kannst du's nicht fassen
Willst alles dies nicht glauben
Doch tiefer wohnt ein Schatten
Stumm in dem innern Kern
Es ist ein schwarzer Teil von dir
Verborgen nun als Stern
Und langsam dämmert es in dir
Wer diese Peitsche lenkt
Jetzt hörst dein eig'nes Schnauben
Du suchst den Übeltäter
Auf fernem kalten Feld
Doch jede Spur ist wertlos dir
Es ist nur billig' Tand
Du fühlst den Griff
Die Kraft die ziehet
Du spürst die eigne Hand
Und Schuld wie rostig Eisen
Liegt schwer auf deiner Welt
Das Dunkel wächst
Dir schwindet Mut und formet Nacht
Die Peitsche singt dir Lieder
Du wirst versteh'n es ist kein Scherz
Es bleibt kein wortlos Traum
Empfindung ist und bleibet Schmerz
Am Morgen ist gebrochen dann
zerstörerische Macht
© Text & Bildsprache by @HerrWortranken
0084 | 2026 | ©HW
