quotannis
(jährlich)
Einsam wandert hellblau Farbfleck
Über Himmelsrund dahin
Dunkelgraue Wasserwolken
Zeigen uns Eisheiligsinn
Fünfzehn Tage noch bis Ende
Dieses Wonnemonats Mai
Und die Menschen hoffen schnellstens
Das die Frostigkeit vorbei
Durch die kahlen Apfelbäume
Zieht der kalte Nordwind hin
Über feuchte Wiesensäume
Schweigt der junge Amselsinn
Silberfahle Regentropfen
Fallen auf das grüne Land
An den alten Fenstertöpfen
Liegt noch winterkalter Sand
Doch am fernen Blütenhange
Leuchtet schon ein Rosenschein
Und die milde Abendspange
Fängt das blasse Dämmern ein
Morgenrot streift stille Dächer
Vor dem ersten Glockenklang
Und im Tal der vollen Becher
Wächst der Lerchenjubel lang
Zwischen alten Birkenreihen
Riecht die feuchte Erde süß
Über dunklen Weidenreihen
Liegt ein kühler Morgengruß
Leise schimmern Fliedergärten
Unter grauem Wolkenzug
Und die stillen Lindengärten
Atmen ersten Blütenduft
Wenn die letzten Fröste weichen
Öffnet sich das Blütenmeer
Und auf stillen Sonnenteichen
Glänzt das Abendgold so sehr
Dann vertreibt die warme Sonne
Jeden Hauch der Winterpein
Und aus jeder Menschenwonne
Wächst ein neuer Mut zum Sein
© Text & Foto by @HerrWortranken
0258 | 2026 | ©HW
