24 Februar 2023
EINJAHRZULANG
28 Januar 2023
ANTHROPOZÄN
Ich seh' in diesem Grau
Ein Fitzelchen
Wie Himmelblau
Jetzt grad'
In dem Moment
Hör' ich ein Zirpen
Nicht vordergründig
Eher indolent
War das ein Tier
Doch
Vermute nun
's ist ein Scharnier
Das sich bewegt
Und schreit
Weil's langsam
Rostig dünn im Wind vergeht
Mich dünkt
Ich seh' an diesem Tag
Ein Nichts
Und Dieses
Das Himmelsdach
Nicht hoch
Nicht Tief
Doch unter ihm zuviel vom Mief
Geröll und Undurchsichtigkeit
Von Menschenhand geformt
Das sich seit Genesis
Überall
Mich dünkt
Ich seh' in diesem Grau
Kein Fitzelchen
Aus Himmelblau
18 Januar 2023
CARMINA VULVA
1 Gehst du des Abends suchend
Über kalte nasse Trottoirs
Und findest nicht
Im ersten Anlauf die Geborgenheit
5 Geh nicht in Kneipen
Beflügle rasch des Fußes Schritt
Geh' heim
Zu deinem wartend Partner
Es wird sich öffnen
10 Nur für dich
Ein Liebestunnel
Der tosend Meereswellen Gischt versprüht
Ein liebend Leben
Wird heiß euch dann verschlingen
15 Ahnung
Du würdest jetzt im Meer ertrinken
Das eure Zungen zart umschmeichelt
Und doch wie süßer Honig euch mit höchster Gier verklebt
In diesem Taumel weißt du
20 Spürest du
Ihr lebt
Und dieses Leben ist das Einzige
Das dir die Schöpferkraft Natur gegeben
Vergessen nun all Unerquicklichkeit
Verbannt im Reich des Jenseits
All' diese prüde
Elegie
30 Die Zurückgeblieb'nen
Waten in teilnahmslosem Mulm
Erkennen nicht die Kraft der Freude
Gefangene sind es aus der Dunkelwelt
Die euch beneiden lange schon
35 Besonders Heute
Die mächtig Gier im Herzen dröhnt
Verzehrst dich nach des Partners Hände
Bis ihr ermattet niedersinkt
45 Dann nur noch heftiger
Instinkt
Der furios euch fast zerreißt
Das ist Erfüllung
Götter Geist
50 Die Nacht streift ab ihr schönstes Kleid
Des Morgens Helle nun bereit
Die Körpersäfte sind nun trocken
Erinn'rungsbilder
Groß wie Brocken
55 Erschlagen nicht
Erfreuen nur
Im Herzen angenehmes Dur
Ihr geht der Tagesaufgab' nach
Der Abend kommt
60 Das Leben
Ja das Leben
Niemals brach
16 Januar 2023
EXEGESE
Mit den Lippen
Dürre Körper und die Dicken
Lenden
Schulter
Bauch und Vulva
Schenkel
Brüste
Ja das sind ganz tolle Lüste
Hinterher ist man gechillt
Keimen langsam für die Liebe
Herrlich ist das Liebesleben
Kann entspannen
Lässt erbeben
Körper und den Geist zusammen
Manchmal geht's nicht
Ohne Pannen
Wenn nur Einer
Von den beiden
Partnern plötzlich will
Kommt es meist zum Overkill
Der Text betont auch, dass das Liebesleben nicht immer ohne Probleme verläuft. Wenn einer der Partner plötzlich etwas will, kann es zu Missverständnissen und Konflikten kommen. Der Autor warnt vor einem "Overkill" in diesen Situationen, was darauf hindeutet, dass es wichtig ist, die Bedürfnisse des Partners zu berücksichtigen und aufeinander abzustimmen.
Insgesamt beschreibt der Text die vielfältigen Aspekte des körperlichen Liebens und betont die Wichtigkeit, diese Lüste zu erleben, aber auch die Notwendigkeit, die Bedürfnisse des Partners zu berücksichtigen und aufeinander abzustimmen, um eine erfüllte Beziehung zu haben".
08 Januar 2023
DADADORT
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| Zum 75. Todestages von Kurt Schwitters (8. Januar 1948) |
Es lebte einst in Sprache
Doch nun ist's weggezogen
Es war ein kleiner Teil der menschlich' Seele
Nun ist's verloren
Teilweis' in der Vergessenheit versunken
Möge es in Frieden ruhen
Bis es wiedergefunden wird
⬇️
Käsekuchen am FlussuferFlatternde Fliege im Ofen des grünen Elefanten
Quietschendes Rad in der GarageEin springender Hase auf dem Tisch singt mit Fischen in der BadewanneEin fliegender Löffel im WohnzimmerTanzender Panda im RegenSchweigender Baum im Wald
Schwimmender Löwe im PoolAlte fliegende Kühe über dem Himmel Singender Käse im Kühlschrank Rauchendes Brot im Backofen
Sprechender Stuhl im WohnzimmerSpringender Apfel im GartenSingender Regenschirm auf der Straße Fliegender Teppich im Wohnzimmer Quietschendes Sofa auf der Veranda schwimmt mit einer Topflampe im Pool
Grüner Zweig auf dem Dach und flatterndes Handtuch im SchrankTanzener Frosch in dem KaffeeFliegender Fisch im KloSingender Schmetterling im Garten Schwimmender Apfel im GulliSpringender Schuh auf dem Sofa
Flatternde Gabel im TopfQuietschende Tür im FlurRauchender Hund im Garten
Trötende Katze im HausStrickender Papagei im Käfig
Schwimmender Stuhl im PoolSpringender Käse im Kühlschrank
Flatternde Gabel in der SpüleBlutige Tür im FlurTanzener Zweig an der DeckenlampeKaffeekochender Regenschirm in der SchubladeHäkelnder Fisch im WortmeerElefanten im SchlafzimmerUnter dem Teppich laut singende ÄpfelWeitere Erkenntnisse konnten durch die knatternden Eintagsfliegen noch nicht festgestellt werden
05 Januar 2023
ODE ODE(r)
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| erstellt durch Artificial Intelligence |
Ode an das Ababpöm
Urenkel des Dada
Deine Worte sind wie Pfeile die ins Herz treffen
Deine Gedanken tanzen wie die Funken eines Feuers
Deine Verse sind wie Kunstwerke
Deine Zeilen sind wie Musik
Unsere Seelen werden berührt und bewegt
Du leuchtest und strahlst in ewiger Glorie
Deine Ode an dich selbst ist wie ein Fest
Unser Herz füllt sich mit Freude und Lust
Du bist der König der Worte
Deine Gedichte sind wie Perlen
Sie ziehen uns in ihren Bann und begeistern
Der Herrscher über alle Verse und Reime
Dein Ababpöm ist wie ein Juwel
Deine Schönheit funkelt und glänzt
Du bist der Inbegriff der Poesie
Du bist der König der Dichtung und der Lyrik
Deine Ode ist wie ein Geschenk
Du bist der Meister der Worte
Ababpöm
© Bild kreiert durch OpenAI
03 Januar 2023
URENKEL DES WAS
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| erstellt durch Artificial Intelligence |
01 Januar 2023
112023
![]() |
| erstellt durch Artificial Intelligence |
Das Leben, Liebe und Vermissen
Handelt, vom Glück und vom Vergissen.
Ich will vom Meer und seiner Weite
Erzählen, vom Wind und seiner Heftigkeit,
Vom Himmel, der so unendlich scheint,
Und vom Mond, der niemals schläft.
Ich will von Träumen sprechen,
Von Sehnsüchten, die so tief versteckt,
Von Herzen, die gebrochen sind,
Und von Seelen, die sich wiederfinden.
Ich will von der Vergäng LICHTkeit des Lebens singen,
Von der Schönheit, die Jedem Augenblick entspringt,
Von der Macht der Liebe, die alles überwindet,
Und von der Hoffnung, die niemals stirbt.
Ich will vom Leben erzählen,
Von all seinen Höhen und Tiefen,
Von den Momenten, die uns berühren,
Und von den Erfahrungen, die uns stärken.
Ich will Gedichte schreiben,
Ein ababpöm mit sieben Siegeln,
Das vom Leben, Liebe und Vermissen
Handelt, vom Glück und vom Vergissen
26 Dezember 2022
LEBENSFREUDE
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| erstellt durch Artificial Intelligence |
Er hatte gesucht
Über alle Jahr'
Was all' die Zeit
Nicht zu finden war
Den Garten vor'm Haus
Von Großmutters Heim
Mit dem Hühnerstall
Dem Unterstand
Für's grunzende Schwein
Verloren die Jugend
Im Alter verbleibt
Jetzt Gedankenreiz
An diese
Das Leben war gut
Zu ihm und den And'ren
So fiel es sehr leicht
Durch's Dasein zu wandern
Beruf war sein Hobby
Er konnte gestalten
War eigene Lobby
Und führte die Alten
Fort aus Strukturen
In denen verharrt
Jahrzehntelang
Sie stupide
Vernarrt
Die Frau an der Seite
War Hoffnung und Glück
Gemeinsam den Weg
Gingen sie Stück für Stück
Erreichten Zenit
Im Glanz aller Wonnen
Erlebten gemeinsam
Die Kraft vieler Sonnen
Es kam die Zeit
Entwicklung ein Muss
Erst Roter Riese
Mit innigem Kuss
Dann schrumpfte die Masse
Zum weißlichen Zwerg
Der Tod kam schnell
Zu Ende ihr Leben
In die Hand seiner Nachfahr'n
Wenn Minuten sich dehnen
Und werden zu breit
All' Jahr war er da
Verminderte Sorgen
Wenn sie Hände aufhielten
"Bin knapp bis Ultimo
Ich komm' spätestens
Morgen"
Aktuell ist er Opa
Von Töchterkinder
Stolz schwellet die Brust
Wenn er trifft
Fünf Urenkel
So schließt sich ein Kreis
Aus Freude am Leben
Das ist sie
Die Lebensfreude
Ihr begreift sie soeben
© Bild kreiert durch OpenAI
16 Dezember 2022
WÖNTER
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| erstellt durch Artificial Intelligence |
Hab' gefragt
Ob jemand weiß
Was das kalte Pulver ist
Jenes
Das der Hund dort frisst
Komisch
Gestern war die Straße frei
Heute hat sie Farb' wie'n Ei
Knirscht beim Gehen
Jeder Schritt
Rutschig
Nicht für den
Der fit
Sich in senkrecht' Haltung hält
Und nicht arg danieder fällt
15 Dezember 2022
STATEMENT
Mit klarem Sinn
Kunst sind wir
Mehr ist nicht drin
Öffnen uns're Arme zwar
Uns're Körper nackt und bar
Doch
Wir sind für lüst're Augen
Keine Weide
Wir sind Menschen
Wir sind Helga und die Heide
frei nach dieser Melodie 🎹play
Wo sind sie geblieben?
Sag' mir wo die Schönen sind
Wo find' ich sie?
Sag' mir wo die Freuden sind
Herzen flüchten oft geschwind
Sag' mir wo die Liebe ist
Wo ist sie geblieben
Sag' mir wo das Leben lebt
Wo man noch nach Obhut strebt
Sag' mir wo die Sehnsucht bleibt
Wer kann sie befrieden
Wann wird man finden dies
Wann wird man finden dies?
© Text & Bild by HerrWortranken
09 Dezember 2022
APODIKTISCHER NEBENSATZ NUMERO ZWEIHUNDERTUNDSECHS
Es war einer der Tage, an denen ich nicht ausschlafen konnte, weil der Wecker mich, wie üblich um sechs Uhr dreißig, durch die Mechanik des Uhrenklöppels animierte, trotz Halbschlaf, die Hand in Richtung des lauten Zeitmessers zu bewegen, um folgend, mit dem Arm, als ausgebreitete Extremität, eine niedersenkende Bewegung zu vollführen, die aber dann den beabsichtigten Versuch des punktgenauen Treffens, des vorhandenen Ausschaltknopfes verfehlte und das immer noch lärmende Zeiteisen mit gedämpft polternden Geräuschintervallen auf den Bettvorleger kullern ließ, worauf der Zeitmesser es sich, einer Impulskraft folgend, unter der Ruhestatt im Dämmerlicht mit den aufwirbelnden Staubflocken gemütlich zu machen suchte, während im gesamten Raum, unterstützt durch eine plötzliche Mäuschenstille, die ursächlich durch die schallschluckende Gewebestruktur des in der Gebrauchsroutine sehr kompetenten Bettvorlegers entstand, sich ein Gedanke in meinem immer noch schläfrigen Hirn heranbildete, der meine momentane, recht stressfreie und unterschwellig fröhliche Stimmungslage, in eine apodiktische Ängstlichkeit wandelte, weil mich diese Lautlosigkeit an einen zerfledderten Chronometer, es war, die Armbanduhr eines in einer Teerkolonne beschäftigten Straßenbauarbeiters der Hochbauabteilung des hiesigen kommunalen Bauhofs, den ich in früheren Jahren auf einer Fotografie sah, nachdem die zur Festigung der Teerdecke eingesetzte Dampfwalze, brutal mit unsäglicher Gewissenlosigkeit über diesen Armchronographen fuhr, den der Arbeiter noch immer an seinem zermalmten Handgelenk trug, erinnerte.
06 Dezember 2022
FREUDENBECHER
Auf dieser Welt
Ohn' Gegenständlichkeit
Es flugs zerfällt
Dem Einen dient es
Wie durch ein Wunder
Ihm mehrt's Bestand
Dem And'ren Plunder
Ein Dritter jagt
Vergeudet Lebenszeit
Ergebnislos
Ummantelt Ewigkeit
Ihn jählings
Ohne das Glück gefunden
Heiter erscheint es
Braucht nur Sekunden
Nach Testamentseröffnung
Kraft Notar
Den Hinterbliebenen
Jetzt wunderbar
Es kann Beglückung all' erfassen
Das Einzelwesen und auch Massen
Nie selektiert es
Kennt keine Regel
Lässt sich nur treiben
Mit Zufallssegel
04 Dezember 2022
LEBEN IN DER SCHLEIFE
VORVORGESTERN
Ja ich bin sicher, es war der Tag, an dem ich morgens mein gewohntes Weckerklingeln vermisste. An diesem Tag
verspürte ich es das erste Mal. Ein mir bis zu diesem
Zeitpunkt noch nie bewusst erlebtes Spannungsgefühl
durchströmte mein linkes Augenlid, just in dem Moment, als sich das Tor zu diesem neuen Tag in mir öffnete.
Ich werde wach und sehe in meine Umgebung hinein.
Wundernd über eine sehr zweifelhafte Umfeldwahrnehmung,
die mit einer wirklichkeitsfremden Distanzperspektive aufwartete, erklärte mein Unterbewusstsein sofort, dass ich mich in einem Traum befinde.
Nein.
Es ist Realität. Ich träume jetzt im Traum, dass ich träume, ich bin wach geworden.
Aha, denke ich für diesen Moment. Das gibt mir eine
beruhigende Gewissheit. Doch es ist innerlich kein
bedrohungsflüchtendes Gefühl. Alles ist so untraumhaft, als wäre ich wach.
Wieso sehe ich das Zimmer mit seinen Objekten, alle wie immer am gleichen Standort? Aber nicht abschätzbaren
Distanzen zwischen den sich meinen Augen, hinter und nebeneinander, auf Abstand platzierten Gegenständen.
Diese Wahrnehmung fühlt sich an, wie es für einen Einäugigen, als normales, tagtägliches Sehmuster erfahrbar ist.
LEBEN IN DER SCHLEIFE
Wir kennen den Satz: 'Ich sah mein Leben wie in einem Film vor meinem inneren Auge projiziert'. Solch ein subjektives Hirnkino startet, um traktierend, meine
Gedankenstrukturen in panikartige, nanosekündliche
Fraktalflashs zu zerlegen.
Angst. Horror. Bilder von phantastischen Ungeheuern, wie
aus bekannten Endzeitfilmen. Wechselweise mit bunten,
grausigen Illustrationen, wie aus alten Märchenbüchern,
übertrumpfen sich gegenseitig, Rampensäuen gleich, ihre
intensiven hirnrissigen Bühnenshoweffekte, in mein
Sehorgan, zu schleudern.
Was ist das? Was war das? Erschreckend, wie bewusst und
intensiv ich meine eigene Existenz, erfahre.
Ja es ist ein Traum. Diesen Gedankenfetzen denke und realisiere ich blitzschnell zwischen dem Bombardement, einer intensiv wechselnden Formenflut und den sich aus allen Gedankenritzen, raumnehmenden Farbtsunamis.
Jetzt, verschwunden. Leere. Nichts. Gar nichts mehr.
Aber ich lebe doch. Ich sehe nur Schwarz. Sehe ich?
Gedanken an plötzliche Blindheit oder tiefschwarze Nacht, nehmen ohne Zeitgefühl einer Schnelle oder Langsamkeit, Besitz von
meiner Gedankenwelt. Ich kann mich konzentrieren und
erinnernd an einen Gedanken, vor diesem Gedanken,
erinnern.
Zweifel kommen auf. Träume ich immer noch? Habe ich je
geträumt? Ist das der Übergang zum Tode? Meines Eigenen?
Sehe ich nur Bilderwelten von diesem Tunnel zum
Jenseitigen, der oft charakterisiert, von Nahtotprobanden.
Jetzt bin ich sicher, ich bin wach. Alles ist Realität.
Ich träume in diesem Moment ohne Sehreize ein schwarzes
Schwarz. Aber mit Traumgedanken im Traum. Genau, das
muss es sein.
Zum ersten Mal fühle ich mit einer physischen Schwere
meinen rechten Arm. Er bewegt sich. Nicht frei locker
sondern mattig und schlurfend, über einen Teil, meines linken
Oberkörpers.
In der Bewegung innehaltend, jetzt, als die Handaußenseite,
die Stelle der Kuhle von Daumen und Zeigefinger, von der
Kinnunterseite an dem weiteren Bewegungsfluss gehindert
wird, entsteht ein Gefühl der Ohnmacht. Ähnlich des
Trudeln, in einem aus Schatten bestehenden Sturm. Noch
immer nichts sehend, stecke ich inmitten dieses lichtlosen
Desasters.
Quälend in der Bewegung, wie grapschend nach einem
letzten Rettungsanker suchend, spüre ich, wie meine rechte
Handinnenseite, Richtung linke Stirn, auf meiner
Gesichtshälfte weiter wandert.
Immer noch in dem grenzenlosen, tiefen unendlichen
Dunkel, bin ich gefangen und es umhüllt meine Sinne.
Schwankend zwischen wirklichem Traum und traumhafter
Wirklichkeit. Noch nicht begreifend, die zustandslose
physikalische Gegenwart des Geistes und die vergeistigte
Körperlichkeit der Gedanken.
Urplötzlich, mit den Nervensensoren der Fingerkuppen
tastend, erfühle ich ein Etwas auf meinem Gesicht, dort wo
mein linkes Auge seinen Funktionsbereich haben müsste.
An diesem Auge. Jetzt. Ein eigenartiges, nie vorher verspürtes
Spannungsgefühl, versetzt mir ein Déjà-vu [descha'wü]
Ist es Fantasie oder tatsächlich ein Gefühl von schon
Erlebtem. Verdammt noch mal. Ich denke den Satz,
“Verdammt noch mal“. Wieder kann ich Gedanken in meinen
Gedanken denken. In meinen Gedanken? Also bin ich wach.
Nicht träumend. Wieso aber spüre ich im Wachzustand nichts
von der Schwere meines, wo und wie auch immer, liegenden
oder stehenden Körpers. Warum und wieso diese Schwärze.
Die Finger tasten an meinem linken Auge. Was ist das für
ein Ding? Wie eine technische Apparatur? Fühlend realisiert
mein Hintergrundgedächtnis, das es vergleichbar in Form und
Größe eines halben Hühnereis, ist. Mit kleinen und kleinsten
Unebenheiten auf der Oberfläche.
Mehr aus einer technischen Gewohnheit, alle Tasten
ähnelnde Gebilde zu nutzen, drücke ich mit dem Finger auf
eine Stelle, die meinen Merkel-Zellen wohl den sensorischen
Standardbefehl, zum Aktivieren gibt. Ich drücke. Ich
schaltete einen Schalter.
Langsam, ganz langsam weicht die Schwärze der
Umgebung. Ein kleiner, unscharf gerandeter, zart grau
amorpher Fleck, wechselt zu einem immer heller und klarer,
fleischfarben, höhlenartigen Gang.
Ich ertappe mich bei einem Schmunzeln. Ja richtig, ich
schmunzele in mich hinein, bei der grotesken Vorstellung,
dass diese Höhle, in die ich jetzt blicke, eine Ähnlichkeit mit
der Bildaufnahme einer Koloskopie, zeigt. Mein Schmunzeln
steigert sich stetig. Mit geschlossenen Lippen, den
pulsierenden Atem prustend und ausschließlich durch die
Nasenöffnungen entweichen zu lassen, zeigt sich meine
Umgebung, mehr und mehr vergleichbar, die eines Kolons, in
dem ich mich befinde.
Und wieder frisst sich ein Gedanke, mit den schon vordem
gestellten Fragen, zweifelnd und ohne eine Einhundert
prozentige Sicherheit auf eine Antwort, wie ein archaischer
Oktopus, in mein, von Unsicherheit und Wissbegierde,
überschäumenden, schläfrigen Gedankenapparat.
Bin ich wirklich wach? Ist das die Realität? Die objektive
reale Realität? Alle gedachten Fragen und Antworten haben
nur ein Ergebnis. Ich weiß es nicht.
Das visuelle Horrorspektakel verblasst langsam. Wenn ich
etwas nicht weiß, so sinniere ich, so muss doch gleichzeitig
etwas Wissendes in mir sein. Ich muss wissen das ich lebe.
Ich lebe, bilde ich mir ein. Folglich ist alles was geschieht, in
diesen und den vorangegangenen Szenarien, objektive
Realität.
Diese verwirrende Reise in philosophische Strukturen,
verliert sich rasch in fokuslose, wabernde Nebel. Da ist
wieder die Realität. Genau wie in einem gut geschnittenen
Film, erfühle ich die übergangslose Fortsetzung der
Höhlenwanderung, meiner Augen.
Bisher hatte ich nur meinen rechten Arm mit Hand und
Finger, als physisches Anhängsel meiner Selbst verspürt.
Doch wo ist das Existenzielle, das willentlich Steuerbare,
meines kompletten Körpers? Ich muss mir beweisen das ich
lebe. Ich muss mich bewegen. Ich muss mich in der
Bewegung selbst erfahren.
Immer noch die Textur einer Kolon ähnlichen
Innenwandung vor Augen, verspüre ich, trotz extensiver
Anstrengung meines willentlich forcierten Geistes, keinerlei
physische Daseinsform meines Körpers. Man kann es nicht
simpel mit Worten, als das ich nichts fühle, formulieren. Ich
fühle absolut nichts. Gar nichts. Null.
Es ist die Leere des Nichts.
Finger, Hand und Arm, rechtsseitig, scheinen die einzig
interaktiven Teile meines Körpers zu sein. Willentlich beginnt
die Hand eine krampfende Bewegung. Stark greifend,
weiterhin dieses fühlbar Vorhandene, am Auge ertastete etwas
umklammernd, verfolge ich, wie sich der gesamte Arm einer
Elevation bemächtigt.
Während der Armerhebung, verändert sich meine visuelle
Umgebung. Diese Höhle vor mir verlängert sich.
Rückwärtsgehend, verlasse ich diese Umgebung.
Bisher hatte ich keinerlei akustische Wahrnehmungen
empfunden. Totale Stille. So verliere ich mich in den
wechselnden, bildbildenden, surrealistischen
Umgebungsstrukturen, meines rückwärts gewendeten
Ganges. In diesem eigenwilligen Szenarium entfleucht das
Interesse, nach Hörwelten zu suchen. Das Visuelle ist sich
seiner Dominanz bewusst.
Meine raumwechselnde Reise in diesem unterirdischen
Höhlensystem vermittelt Distanz vergrößernd, eine
trügerische Ruhe. Ein großer, mit allerlei, nicht definierbaren,
bruchartigen und auch gleichzeitig kantenlosen, mit
graubrauner Soße angefüllter Höhlendom, verwandelt mein
Gemüt, in einen beunruhigenden Zustand.
In diesem Moment, verspüre ich wieder bewusst, die
Bewegungsmechanismen der funktionalen Armextremität.
Meine Hand entfernt sich weiter vom Gesicht.
Eine winzige Idee, bemächtigt sich meiner Gedanken. Ist
das die Lösung?
Die Lösung meines Zwiespaltes? Ist das die
Antwort, dass nur das Denken des Gedachten sich als Traum.
. . . Oh mannoman . . .
Ich werde überrannt von neuen
Bildfolgen der inneren Kamera. Jetzt purzeln und
überschlagen sich die Wahrnehmungen in beängstigenden,
alptraumgleichen Weltansichten. Die Summe der gesamten
Weltphantasie, aller Phantasten, könnte kein Bildmaterial
liefern, wie es sich mir in diesem Moment, als Ouvertüre
präsentiert. Ich sehe, ich empfinde, ich denke alles zugleich,
in rasendem Tempo. Die Welt geht unter. Es ist schlimmer.
Der reale Weltexodus, so uns Fachleute für die ferne Zukunft
prognostizieren, wird vergleichbar, dem eines romantischen
Sonnenuntergangs.
Schneller und schneller, mich weiterhin rückwärts
bewegend, entfernt sich im mittigen Sehfeld verengend, der
Höhlengang. Jetzt der Wahnsinn. Die Hölle des
grauenvollsten Grauens lebt. Existiert tatsächlich.
Kein Gedanke mehr an Zweifel. Alles ist Realität. Alle
früheren Überlegungen ans Träumen werfe ich über den
Haufen.
Ich sehe die ungeschönte Wahrheit.
Eine kleine Videokamera, die ich in der Hand haltend, aus
meinem Körper, aus der linken Augenöffnung ziehe,
vermittelte mir dieses höhlenartige Erlebnis im Inneren
meines Körpers.
Mehr krampfhaftes Fuchteln, als eine professionelle
dokumentarische Kameraführung, zeigt mir mit zittrigen
Bildern das Ausmaß der Katastrophe. Ich sehe jetzt den
Grund meiner Unvollkommenheit, die Welt nur
Eindimensional zu erfahren. Ich sehe ausschließlich ohne
Augen, nur mit diesem elektronischen Hilfsmittel.
Dort wo die Platzierung des rechten Auges zu vermuten ist,
befindet sich ein ekelig unappetitliches, verfranstes, dunkles,
bodenloses Loch. Wie eine abscheulich erblühende
Missgeburt des Bösen, gebiert sich windend, ein krummer
rostiger Nagel, meinen Kopf auf einer nicht definierbaren
Unterlage zu festigen.
Jetzt, im Wissen um alle Realität, entflüchted mir jegliches
Gefühl. Keine Angst mehr. Kein Verlangen nach
Hintergrundwissen. Keine Erinnerung mehr. Ich drifte weg,
einfach weg.
Herr Wortranken. Hallo Herr Wortranken. Hallo. Aufwachen. Sie
haben alles gut überstanden. Meine Assistentin wird ihnen
beim Aufstehen helfen. Machen sie langsam …
Zuerst sammele ich meine Gedanken, um mir mittels
mehrerer intensiv befreiender Tiefatmungen, meine Lungen
mit Sauerstoff zu füllen. Mit der restlichen Kraft meines
Atemorgans puste ich den gerade durchlebten Alptraum, aus
Hirn und Gliedern, endgültig fort und höre mit wohliger
Labsal das Strömungsgeräusch von meinem Odem. Ich lasse
mich gehen. - Ich lasse mich fallen.
Wie umschlungen von den Armen der Liebsten, genieße ich
jetzt das intensiv lechzende Empfinden, in einer
Streichelorgie einer beschützenden, orgiastischen
Umklammerung aufgenommen zu werden. Einem
Wachtraum gleich, erlebe ich zarte Geräusche und Bilder,
eines wunderschönen Bachlaufs, wie auf einer von
Frühlingsfarben durchfluteten Waldlichtung.
Ich blinzele mit meinen Augen, genau, wie ein Maler seine
Vorlage anschaut, um differenzierte Kontraste zu erkennen.
Aus einem Dunstschleier, schärfer werdend, sehe ich eine
wunderschöne Tropfenorgie um mich herum. Langsam
beginnen meine Hörmuscheln unterscheidbare Klangfolgen,
zu registrieren. Ungezwungen lauschend genieße ich meine
Umgebung. Mächtig gurgeln die Größeren. Quirliges, an
Glasharfen erinnernde, wie Engelshaar auf die Erde fallende
Intervalle, entspringen den Kehlen der kleineren
Spritzfontänen.
Hier zwängen sich mehrere tollpatschige Wassergebilde,
schlurfend und auch glockenhell spritzend, zwischen zwei
Felsstückchen hindurch, während gleichzeitig Andere eine
Steinbarriere überwinden. Dumpf brummend und
siegessicher im Anlauf vor dem Hindernis, händehaltend das
Wagnis zu bestehen, vereinzeln sie sich im Zenit des
Sprunges und der zuvor basslastige Grundton wechselt über
in eine spritzige plitsch-platsch Melodie. Über all diesen
individuellen Äußerungen der Einzelnen liegt machtvoll, aber
nicht aufdringlich, eine beruhigende samtartige Weise.
Ein wortloser Gedanke seufzt in meinem Innersten und ich
empfinde mit einer Spur von zarter Traurigkeit, eine kleine
Sehnsucht nach Wärme.
Trotz meiner sprunghaften Stimmungswechsel, stellt sich
ein verwöhnendes Erleben, wie Urlaub in einem verklärten
Südseeparadies ein, als just in diesem Moment, ein schon
mehrfach, bewusst erlebtes Spannungsgefühl, an meinem
linken Augenlid, mir die Grausamkeit des Daseins, in mein
Hirn presst.
Ich werde wach. Ich sehe in meine Umgebung hinein.
Einem Filmabspann gleich, sehe ich, erst etwas unscharf,
aber dennoch mit einiger Konzentration lesbar und immer
klarer werdend, eine Buchstabenansammlung.
Satzbildende Wortzeilen huschen, von einem nicht wirklich
erkennbaren Begrenzungsrand, züngelnd über einen Monitor.
Jetzt visualisiere ich klar und unmissverständlich vor Augen
den fein strukturierten Screenshot
Je länger ich mich nun auf diese Information konzentriere, je klarer verspüre ich ein rhythmisches, zartes Zucken, meines linken Augenlides.
Ich werde wach. Ich sehe in meine Umgebung hinein. Ein mir bis zu diesem Zeitpunkt noch nie bewusst erlebtes Spannungsgefühl durchströmt mein linkes Augenlid.
Ich werde wach.
Werde ich wach . . .














